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Wilmas wilde Worte

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Test mit Emotionen und Respekt

20.09.2010
Dem Überraschungssieg folgte zwar kein weiterer Paukenschlag, denn die deutsche Volleyball-Nationalmannschaft unterlag im zweiten WM-Testspiel gegen Weltmeister Brasilien am Sonntagabend in Rüsselsheim mit 1:3 (26:24, 23:25, 25:27, 22:25). Dennoch belohnten die 2250 Zuschauer in der ausverkauften Walter-Köbel-Halle die Leistung des Teams von Bundestrainer Raúl Lozano mit viel Applaus. An die Begeisterungsstürme zwei Tage zuvor in Ludwigsburg konnte die Stimmung freilich nicht anknüpfen.

Am Freitag hatte die Auswahl des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) mit dem 3:2-Erfolg (22:25, 25:20, 20:25, 25:20, 15:13) den ersten Sieg gegen den Weltranglistenersten seit 1994 erzielt. Ein Erfolgserlebnis, das Hoffnungen für die am Samstag beginnende WM in Italien weckt, auch wenn die erst am Vortag angereisten Brasilianer sicherlich noch nicht ihr ganzes Können abgerufen hatten. Bevor die deutsche Mannschaft am Donnerstag nach Triest reist, wo in der WM-Vorrunde Serbien, Polen und Kanada die Gegner sind, trifft sie am Dienstag in Heidelberg (19 Uhr) noch ein drittes Mal auf die Brasilianer.

Diese rückten in Rüsselsheim, wo eine große brasilianische Fankolonie samt Samba-Gruppe für südamerikanisches Flair sorgten, die Kräfteverhältnisse ein Stück weit zurecht. »Wir können dennoch zufrieden sein. Das war wieder ein enges Spiel«, urteilte DVV-Kapitän Björn Andrae. »Die haben in den entscheidenden Phasen eben eins, zwei Fehler weniger gemacht. Das zeichnet die Brasilianer eben aus«, zollte Andrae dem Gegner Respekt. Doch Respekt - das war an der emotionsgeladenen Stimmung in Rüsselsheim erkennbar - hat sich inzwischen auch die deutsche Mannschaft international erarbeitet. »Wir sind auf dem richtigen Weg«, hofft Andrae auf eine gute WM des Weltranglistenelften.

»Wenn man gegen die derzeit beste Mannschaft der Welt gewinnt, dann muss man einige Sachen richtig gemacht haben«, hatte Außenangreifer Sebastian Schwarz nach dem Freitagspiel befunden, in dem die deutsche Auswahl viel Druck mit ihren Aufschlägen ausgeübt hatte.

Nach der ungewohnten Niederlage nahmen die Brasilianer die Partie in Rüsselsheim allerdings ausgesprochen ernst. Mit wilder Gestik demonstrierte dies vor allem Trainer Bernardinho, der nach einem Achillessehnenriss an Krücken geht, den es aber dennoch oft genug nicht auf seinem Stuhl hielt. Erbost reagierte er auf die Fehler seines Teams und auch auf die Musikeinspielungen zwischen den Ballwechseln, die sein Coaching störten.


Zunächst schienen seine Schimpftiraden, die auch später immer wieder als Stimmungskiller in der vollbesetzten Halle wirkten, vor allem die besser gestarteten Gastgeber aus dem Rhythmus zu bringen. Doch die DVV-Auswahl, in der der am Freitag stark auftrumpfende Georg Grozer in der Startformation fehlte, wehrte im ersten Durchgang einen Satzball ab und setzte mit dem starken Block den entscheidenden Punkt.

Danach gewann das Starensemble des Weltmeisters langsam die Oberhand, lag meist in Front, ohne allerdings zu glänzen. Im dritten Satz mussten die Südamerikaner nach langer Führung gegen die sich kämpferisch enorm steigernden DVV-Spieler einen Satzball abwehren, um dann doch das bessere Ende für sich zu erzwingen. Im vierten Satz blieb der Favorit unangefochten. Keine Demonstration der Spielfreude gegen einen Außenseiter, sondern harte Arbeit gegen einen ernsthaften Herausforderer. »So sind Länderspiele. Da gibt es nichts zu verschenken«, betonte Andrae.
Quelle: Rüsselsheimer Echo
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