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Wilmas wilde Worte

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Ovationen im Stehen für »perfektes Spiel«

29.11.2010
Am emotionalsten wirkten die Erstliga-Volleyballer von evivo Düren bei ihrem Pokalauftritt gestern Nachmittag bei Zweitligist TG Rüsselsheim erst nach dem Schlusspfiff. Als bei der Auslosung des Viertelfinales die Partie Düren gegen Friedrichshafen feststand, ging ein Raunen durch die Walter-Köbel-Halle. Auf den glanzlosen 3:1 (25:19, 25:22, 26:28, 25:21)-Pflichtsieg im Achtelfinale gegen die TG folgt für den Pokalfinalisten der Vorsaison der Knaller in eigener Halle gegen den Serienmeister und Champions-League-Sieger vom Bodensee in der Runde der letzten Acht.

In den 100 Minuten zuvor hatte der Vorjahresdritte der Ersten Liga und aktuelle Tabellensiebte phasenweise seltsam uninspiriert gewirkt und gegen die stark ersatzgeschwächten Rüsselsheimer überraschend einen Satz abgegeben. Nachdem Düren am Mittwochabend im Europacup gegen Precura Topvolley Antwerpen in einem begeisternden Krimi vor 1000 Zuschauern im Entscheidungssatz die nächste Runde erreicht hatte, fiel es einigen Akteuren offensichtlich nicht leicht, sich auf die neue Aufgabe gegen den Sechsten der Zweiten Liga gedanklich einzustellen. Die offensichtlichsten Motivationsprobleme hatte der kamerunische Nationalspieler und WM-Teilnehmer Olivier Nongny, der sich so viele Aussetzer leistete, dass ihn Dürens Trainer Sven Anton nach dem verlorenen dritten Satz gar nicht mehr einsetzte.

Ohnehin hatte der Erstligist einige Stammkräfte geschont - aufgrund des 165 Minuten dauernden kraftraubenden Spiels gegen Antwerpen und der Tatsache, dass der Auftritt in Rüsselsheim das zweite von insgesamt vier Spielen in zehn Tagen war. So war es den knapp 200 Zuschauern, darunter zwei Dutzend aus Düren, nicht vergönnt, die Künste der deutschen Nationalspieler Stefan Hübner und Christian Dünnes einmal live zu sehen. Während Hübner in dieser Saison aufgrund von Knieproblemen noch kein Spiel bestritt, kam das Reservistendasein von Kapitän Dünnes überraschend.

»Aber auch mit ihm wäre es nicht viel besser für Düren gelaufen«, vermutete TG-Trainer Claude Weber, »denn er macht zwar nicht viele Fehler, spielt aber auch nicht so spektakulär«. Angesichts der Fehlenden - Kapitän Tim Wacker, Andreas Kolle und Manuel Lohr - sprach Weber von »einem perfekten Spiel« mit dem letzten Aufgebot. »Wir konnten phasenweise gut mithalten, und einen Satzgewinn hätte ich nicht für möglich gehalten.«

Dass dieser gelang, lag im Wesentlichen daran, dass Düren nicht sein wahres Leistungsvermögen zeigte. »Mit einer solchen Gegenwehr der TG hatte ich gerechnet, aber ich hätte nicht gedacht, dass wir so schlecht spielen«, sagte Außenangreifer Christoph Eichbaum, der noch zu den Besten im Gästeteam zählte und von »mentalen Problemen« sprach. »Rüsselsheim kann auch Volleyball spielen und das haben sie heute gezeigt«, resümierte Dürens Trainer Sven Anton kurz angebunden und sichtlich verärgert.

Rüsselsheims Coach Claude Weber hatte sein Team glänzend eingestellt. Mit Flatteraufgaben setzten seine Spieler den Gegner unter Druck, und dank der guten Annahme gelang es Zuspieler Kevin Goncalves immer wieder, seine Angreifer geschickt einzusetzen, insbesondere die glänzend aufgelegten Christian Hesse und Johann Löwen.

Im ersten Satz lag die TG zwar nie in Führung, hielt aber bis zum 15:17 mit, ehe Düren dank der wuchtigen Angriffsschläge des holländischen Nationalspielers Michael Olieman davonzog. Im zweiten Durchgang lagen die Rüsselsheimer mit 9:7 in Front. Sie konnten zwar nach dem 13:16 den Rückstand nur noch auf maximal zwei Punkte verkürzen, doch hatte man lange Zeit nicht das Gefühl, als trenne die beiden Mannschaften eine Spielklasse.

In Durchgang drei führte der Erstligist bereits mit 6:1, doch als sich die Gäste gedanklich offensichtlich schon auf der Heimfahrt befanden, drehte die TG noch einmal auf und nutzte Schwächen im gegnerischen Block. Beim 9:9 gelang erstmals der Ausgleich und bis zum 23:23 wechselte die knappe Führung ständig. Als Düren drei Matchbälle vergeben hatte, nutzte Rüsselsheim seinen ersten Satzball beim Stand von 27:26 zum 1:2-Anschluss. »Das Tolle an dem Erfolg war, dass der Satz so umkämpft war und ihn Düren nicht hergeschenkt hat«, freute sich TG-Coach Weber.

Auch im vierten Durchgang hielt die TG lange mit, führte 9:8 und ließ sich nach dem 10:13 nicht abschütteln - der Rückstand betrug stets nur zwei, drei Punkte. Erst nach dem 19:21 schaltete der dreifache Deutsche Vizemeister und vierfache Pokalfinalist aus Nordrhein-Westfalen noch einmal einen Gang höher, um sich die Blamage eines fünften Satzes zu ersparen. Der fünfte Matchball saß, doch der Jubel fiel verhalten aus, während die aufopferungsvoll kämpfenden Rüsselsheimer die Ovationen der Zuschauer genossen, die sich respektvoll von den Sitzen erhoben hatten.


Ein Sonderlob hatte TG-Trainer Weber nach der Partie für den aus der zweiten Mannschaft aufgerückten Christian Günther und den angeschlagenen Christian Hesse parat. »Dass Günter aus der Zweiten kam, hat man gar nicht gemerkt«, sagte Weber, »und Hesse hat sich trotz Bauchmuskelzerrung durchgebissen und glänzend gespielt.«
Quelle: Rüsselsheimer Echo
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