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Wilmas wilde Worte

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Nur Kassierer mit langem Gesicht

28.01.2008
Es war kurz nach 22 Uhr, als sich der neben der Köbel-Halle abgestellte Reisebus des VfB Friedrichshafen in Bewegung setzte. Zum achten Mal in dieser Bundesligasaison war der Rekordmeister und -pokalsieger vom Bodensee in drei Sätzen seiner nationalen Ausnahmestellung am Volleyballnetz souverän gerecht geworden.
Anders als nach der unnötigen 0:3-Schlappe drei Tage zuvor an gleicher Stätte gegen SG Eltmann, hinterließ die 21:25-, 21:25-, 15:25-Niederlage gegen den verlustpunktfreien Spitzenreiter keine langen Gesichter bei Team und Trainern von Rhein-Main Volley. Allenfalls der Kassierer des Tabellenvorletzten hätte trotz neuer Saisonbestmarke gerne deutlich mehr als jene annähernd 650 Zuschauer - darunter TV-Moderator Johannes B. Kerner mit Gattin Britta Becker - begrüßt, die der Auftritt des mit internationalen Topstars bestückten Champions-League-Siegers von 2007 hinter dem Ofen hervorlockte.

Zum Vergleich: Fast auf den Tag genau vor zwei Jahren hatten 1350 Augenpaare die Partie TG Rüsselsheim - VfB Friedrichshafen verfolgt. Kurios: damals wie heute dauerte das ungleiche Kräftemessen exakt 66 Minuten, und anno 2006 standen ebenfalls 57 heimische Ballpunkte zu Buche (17:25, 22:25, 18:25). Die verblüffende Duplizität der Ereignisse wurde dadurch fortgesetzt, dass Bundes- und VfB-Trainer Stelian Moculescu abermals nicht mit an den Untermain gekommen war und erneut seinen Assistenten Ulf Quell die Arbeit tun ließ.

Während Moculescu in Italien weilte, um den dort beschäftigten deutschen Nationalspielern auf die Finger zu schauen, bekam sein Vereinsteam den 13. Saisonerfolg keinesfalls in den Schoß gelegt. "Wir haben für meinen Geschmack ein paar leichte Fehler zu viel gemacht. Über weite Strecken war das aber echt in Ordnung, denn solche Begegnungen können weitaus deprimierender verlaufen. Die Jungs haben jedenfalls gesehen, dass sie sich nicht zu verstecken brauchen. Wir hatten in der Annahme nicht so viele Probleme, wie Friedrichshafen wohl vermutet hatte", so "RMV"-Trainer Christian Metzger. In der Tat erzielten die knallharten Angaben der VfB-Stars Christian Pampel, Joao José oder Robert Hupka zunächst nicht die ganz große Wirkung. Und da die Gastgeber nicht nur unbekümmert schmetterten und mutig servierten, sondern ab und an sogar per Einerblock - Ralph Nothhaft und Sören Schneider stutzten dem Portugiesen José die Flügel, Jason Octave glänzte gegen den Slowaken Hupka und Johann Löwen überraschte Ex-Nationalspieler Pampel - punkteten, kam im ersten (17:19) wie zweiten Satz (21:23) unverhofft sogar ein wenig Spannung auf.

Nicht so bei Ulf Quell: "Wir haben das Spiel immer dominiert, obwohl wir nach dem Champions-League-Spiel vom Mittwoch heute vielleicht ein bisschen müde waren." In der Tat beantragte der VfB-Coach nicht eine Auszeit, da der Favorit immer dann zulegen konnte, wenn es erforderlich war. Andererseits ersetzte Quell nur den am linken Knie verletzten Mittelblocker Juliano Bendini im ersten Satz durch den sprung- und schlaggewaltigen Marc-Anthony Honore und beließ ansonsten die Stammsieben auf dem Feld. Begründung: "Wir haben in diesem Jahr erst zwei Spiele bestritten, und deshalb ist es wichtig, sich wieder einzuspielen."

Ein Wort der Anerkennung für die Leistung der deutlich weniger trainierenden und im Abstiegskampf steckenden Hessen fand Quell nicht: "Ob wir die Sätze zu 15, 18 oder 21 gewinnen, hat für mich keine Bedeutung. Wir sind immer die Gejagten, die anderen die Außenseiter. Von unseren Spielern erwarten wir deshalb eine professionelle Einstellung, und das ist uns heute über weite Strecken gelungen." Immer freilich nicht: Bei einem von "RMV"-Zuspieler Schneider - bis zur Vorsaison für die zweite Friedrichshafener Mannschaft am Ball - gelegten zweiten Ball zum 11:15 im ersten Satz sah die ansonsten famose Friedrichshafener Feldabwehr "alt" aus. Und im zweiten Abschnitt hatte sich ein VfB-Star doch tatsächlich verrechnet und nach zuvor zwei aktiven Berührungen den Ball nicht über die Netzkante gespielt...

Und was nimmt Rhein-Main Volley aus diesem Spiel außer der Erkenntnis mit, dass auch absolute Topteams menschliche Züge zeigen können? "Für unsere Mannschaft ist es wichtig, in solchen Spielen gegen einen übermächtigen Gegner nicht auseinander zu brechen und zusammen zu halten. Ich persönlich nehme mit, dass es Bessere gibt; das erweitert den Horizont", sagte "RMV"-Teamkapitän Andreas Kolle.
Quelle: Main-Spitze
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