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Wilmas wilde Worte

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Ferradas: Wir müssen noch viel lernen

19.09.2011
Es war ein langer, ein überwiegender attraktiver und niveauvoller, aber auch ein lehrreicher Saisonauftakt, den Volleyball-Zweitligist TG Rüsselsheim am Samstagabend gegen die FT 1844 Freiburg erlebte. In der Köbel-Halle vor mehr als 150 zeitweise begeisterten Zuschauern war den Gastgebern nach einem 0:2-Rückstand mit dem eingewechselten, bärenstarken Thilo von Hagen der Ausgleich gelungen. Den Tiebreak aber gaben sie dann glatt mit 5:15 ab und unterlagen den Breisgauern nach fast zweieinhalb Stunden mit 2:3 (24:26, 23:25, 28:26, 25:19, 5:15).

Auch wenn das neuformierte, verjüngte Team um Trainer Luis Ferradas, das mit zwölf Mann auflief, darunter vier Zuspielern, in den ersten beiden Sätzen der Freien Turnerschaft stets hinterherrannte, ergaben sich in den Schlussphasen doch Siegchancen. So war die TG im Startdurchgang von 11:17 über 16:21 und 18:21 auf 20:22 herangekommen. Bei 20:24 wehrte sie vier Satzbälle ab, ehe die Gäste durch ihren 33 Jahre alten Spielertrainer Wolfgang Beck zum 26:24 punkteten.

Weiter in der Aufstellung mit Anton Borger (26) und Christian Hesse (24) im Außenangriff, Jakub Strzelczyk (26) und Manuel Lohr (20) im Mittelblock, Thomas Mudersbach (23) als Libero, Paul Becker (20) auf der Diagonalposition und wechselweise mit Roman Metelskiy (22) und Tobias Böing (20) im Zuspiel, verkürzte Rüsselsheim im zweiten Abschnitt ein 17:21 auf 20:22 und wehrte ab dem 21:24 drei weitere Satzbälle ab – unter anderem durch Neuzugang Paul Becker, der – eigentlich Beachspezialist – auf der Diagonalposition einen guten Eindruck hinterließ. Doch wieder kam Freiburg danach im Angriff gegen den zu späten TG-Block zum entscheidenden Punktgewinn.

Mit 5:9 und 8:11 schlecht in den dritten Durchgang gestartet, drohte schon eine 0:3-Niederlage. Aber mit der Einwechslung von Routinier Thilo von Hagen kam Pfeffer ins Spiel. Der 38 Jahre alte Routinier zauberte mit schnellen Pässen, ob kurz über Kopf oder lang auf außen, setzte immer wieder den Rückraum, besonders Anton Borger, toll in Szene, und glänzte zudem in der Abwehr. Einmal wehrte er dabei mit einer Hand einen wuchtigen Angriffsschlag des Freiburger Leistungsträgers Andreas Prein sensationell ab. Das Selbstbewusstsein wuchs nun auch bei von Hagens Mitspielern. Nach einer 14:13-Führung hieß es zwar durch eine Fehlerserie wieder 14:17, aber einem 17:20 folgte der 19:21-Anschluss und dann eine Klassephase von Anton Borger. Der 1,96 Meter große Darmstädter, von TuS Kriftel zur TG zurückgekehrt, hielt sein Team mit drei erfolgreichen Aktionen im Spiel und leitete damit eine spannende Schlussphase ein.

Nach 22:23 und 23:23 hatte die Turngemeinde beim 23:24 einen Matchball gegen sich, den Freiburg jedoch mit einer Netzangabe verschenkte. Danach erarbeiteten sich die Gastgeber drei Satzbälle, von denen Thilo von Hagen den letzten mit einem pfiffigen Lob in den FT-Block zum 28:26 verwandelte.

Im vierten Abschnitt zog die Turngemeinde von 9:9 über 13:11 auf 19:11 davon und behielt mit 25:19 klar die Oberhand. Doch im Tiebreak führte eine Schwächephase von 3:3 zu einem 3:7-Rückstand, worauf Rüsselsheim nur noch zwei Ballpunkte gelangen. „Da hat die Kraft nachgelassen“, bedauerte Luis Ferradas, der auf das große Manko hinwies, dass Christian Hesse durch eine Bauchmuskelzerrung und Anton Borger durch eine Erkältung angeschlagen waren. „Auf ihren Positionen haben wir keine Alternativen.“

Borger selbst meinte zum überraschend klar verlorenen Tiebreak: „Da hatten wir auch ein bisschen Pech und haben ein paar dumme Fehler gemacht. Aber Freiburg hat den vierten Satz relativ schnell abgeschenkt und im fünften richtig Gas gegeben.“

Thilo von Hagen bilanzierte: „Wir hatten einen schlechten Start. Und dann geht es natürlich in den Köpfen los.“ Insgesamt sei es „ein typisches Auftaktspiel“ gewesen, bei dem sich gezeigt habe, „dass sich die Mannschaft noch finden muss, gerade war das Zuspiel angeht“. Denn er selbst werde nur bei den Heimpartien und dann nur im Notfall einspringen.

Dass die abwehrstarken Gäste aus Freiburg sicher nicht zu den schlechtesten Gegner gezählt haben und „definitiv vorne mitspielen können“, wie Anton Borger glaubt, konnte da nur wenig Trost spenden. Luis Ferradas ärgerte sich angesichts eines schweren Folgeprogramms über zwei verlorene Punkte und beklagte: „Wir haben insgesamt sehr launisch gespielt. Unsere jungen Spieler haben nicht gezeigt, was sie können. Wir müssen noch viel lernen.“

Doch vergaß der gebürtige Argentinier nicht zu betonen: „Wir haben gezeigt, dass unsere Gruppe ein großes Potenzial hat.“ Und das haben die Zuschauer am Samstagabend auch deutlich gesehen.
Rüsselsheimer Echo
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