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Wilmas wilde Worte

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Emotionen nur am Netz

08.02.2008
Er ist der Mann mit zwei Gesichtern. Wenn Johann Löwen beinahe stoisch abseits des Volleyball-Spielfelds sitzt und über sich und seine sportliche Karriere erzählen soll, fällt es dem fragenden Gegenüber nicht immer leicht, ihm spannende Aussagen zu entlocken. Denn der 25 Jahre alte Außenangreifer des Bundesligavereins Rhein-Main-Volley ist kein Typ, der gerne markige Worte wählt. Ganz im Gegenteil.
Es gefalle ihm in Rüsselsheim, erzählt der vor der Saison von der SG Eschenbacher Eltmann verpflichtete Maschinenbau-Student dann freundlich, die Mannschaft könne den Klassenverbleib in der Bundesliga schaffen, und er werde seinen Zweijahresvertrag auch im Falle eines Abstiegs garantiert erfüllen. Dieser Abstieg ist mit der Niederlage am Mittwoch wieder ein kleines Stück näher gerückt, denn der Klub unterlag auch Düren deutlich 0:3 (23:5, 25:27, 22:25).  
 
Entgegen den Eindrücken, die man von Löwen im Alltag sammelt, kommen auf dem Spielfeld ganz andere Charaktereigenschaften zum Vorschein, hier zeigt er sein anderes Ich. Plötzlich wird der sonst eher stille und sachliche Zeitgenosse emotional, versucht seine Mannschaftskameraden mitzureißen und wird auch laut. Früher, berichtet Löwen, sei er auf dem Platz ein richtiger Hitzkopf gewesen und habe auch schon mal die Fassung verloren. Doch mittlerweile habe er seine Gefühle wesentlich besser im Griff. Vielleicht ist das der Grund dafür, dass er in dieser Saison bislang zahlreiche sehr gute Arbeitsnachweise abgeliefert hat und als logische Folge daraus sogar erstmals beim All-Star-Match unter den besten Volleyballspielern der Bundesliga mitmischen durfte. "Natürlich bin ich stolz, dass ich gewählt wurde", sagt Löwen, der mit der Süd-Auswahl unter anderem an der Seite seines Mannschaftskollegen Jason Octave das Nord-Team 3:1 bezwang. 
 
Von der Professionalität und der Einstellung her könne man sich keinen besseren Spieler als Löwen vorstellen, lobt Volley-Manager Jan Wüntscher den Neuzugang, der längst als Leistungsträger etabliert ist, in den höchsten Tönen. Löwen war einer der ersten Spieler, die der Klub nach dem Aufstieg für die erste Liga verpflichtete. Er stellte sich schnell als Glücksgriff heraus: Sowohl in der Annahme als auch im Angriffsspiel erwies sich der 1,92 Meter große Marburger als zuverlässige Konstante. 2002 schaffte Löwen mit Ligakonkurrent Eltmann bereits den Aufstieg in die Bundesliga. Durch seinen Wechsel ins Hessische spielt er wieder in der unteren Tabellenhälfte mit - derzeit trennen Rhein-Main-Volley zwei Punkte und die schlechtere Satzdifferenz gegenüber dem VC Bad Dürrenberg/Spergau von einem Nichtabstiegsplatz.  
 
Doch wie zuvor in Eltmann traut Löwen seiner aktuellen Mannschaft den Ligaverbleib noch immer und ungeachtet der aktuellen Rückschläge zu. "Wir hatten in der Saison eine Menge Verletzungspech", betont er. Vor allem der Ausfall von Zuspieler Michal Peciakowski (Achillessehnenabriss) sei ein Manko, zumal die vorhandene Spielerdecke bei dem noch jungen Klub sehr dünn ist.  
 
Am Mittwoch fiel im Duell gegen Düren zudem der zweite etatmäßige Zuspieler Sören Schneider aus, weshalb der eigentlich zum Ende der vergangenen Saison schon verabschiedete Spielertrainer Thilo von Hagen aushelfen musste. Gerade mal 250 Zuschauer verloren sich am Mittwoch in der Walter-Köbel-Halle. Aus seiner Zeit bei Eltmann habe er die Stimmung in Rüsselsheim als gut in Erinnerung, sagt Johann Löwen, doch jetzt sei das leider anders: "Irgendwie kommt hier keine rechte Euphorie auf." Daran wird sich, so lange die Ergebnisse nicht besser werden, vermutlich kaum etwas ändern.  
Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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