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Wilmas wilde Worte

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Durchhalteparolen und Rechenspiele

18.12.2007
Auf den letzten Tabellenplatz abgefallen, das Abstiegsduell gegen die Hamburg Cowboys verloren, in zehn Spielen nur ein Sieg – für Ralph Nothhaft ist der Zug für den Klassenerhalt aber noch nicht abgefahren. Vier Punkte Rückstand zum rettenden Ufer hält der Mittelblocker von Volleyball-Bundesligist Rhein-Main Volley für aufholbar. Es sind ja noch zwölf Spieltage. „Da müssen wir eben gegen Eltmann, Leipzig, Königs-Wusterhausen und gegen Hamburg gewinnen“, übt sich Nothhaft in Zweckoptimismus.

Auch Zuspieler Thilo von Hagen, der am Samstag wegen des Ausfalls von Michal Peciakowski zu seinem ersten Bundesliga-Einsatz in dieser Saison kam, meint: „Die Hoffnung stirbt zuletzt. Der Spruch zählt immer noch.“ Gleichwohl weiß der Zweite Vorsitzende von Rhein-Main um die Schwere der Aufgabe, noch den rettenden drittletzten Platz zu erreichen. Das Minimalziel laute daher: „Unbedingt vor Hamburg Vorletzter werden.“ Dann habe man immer noch Chancen, falls eine Mannschaft zurückziehe.

Bernd Schlesinger, der Trainer der norddeutschen Cowboys, der mit ihnen vor zwei Jahren unter dem Namen Oststeinbek aus der Ersten Liga gemeinsam mit der TG Rüsselsheim nach einem einjährigen Gastspiel abstieg, macht sich trotz des ersten Saisonsieges über Rhein-Volley Main nicht viel Hoffnung, dass es die beiden Tabellenletzten noch schaffen können. „Es wird wohl so kommen, dass es uns beide wieder trifft“, meinte der ehemalige Bundestrainer am Samstag nach dem Abpfiff.

Dabei sieht der erfahrene Coach den Abstieg für seine Mannschaft nicht als großes Unglück. „Bei uns war erst vier Wochen vor Saisonbeginn klar, dass wir in der Ersten Liga starten. Da hat ein privater Bürge kurzfristig noch 25 000 Euro von unserem Etat übernommen, so dass wir 100 000 Euro zusammen hatten. Bei uns hängt kein Arbeitsplatz oder Verein vom Klassenerhalt ab“, spielt Schlesinger auf die Situation bei Rhein-Main an, wo das gesamte Projekt mit dem Ligaverbleib steht oder fällt.

Der Hamburger Trainer hat daher die Gastgeber in der Köbel-Halle vor rund 600 Zuschauern auch mehr unter Druck gesehen als sein eigenes Team, obwohl es noch keinen Sieg vorher gelandet hatte. Womöglich sei das auch die Erklärung dafür, wieso die Rhein-Main-Volleyballer nach dem gewonnenen ersten Satz das Spiel aus der Hand gegeben haben. „Sie hatten alle Vorteile auf ihrer Seite“, fand Schlesinger, „aber sie haben wohl gedacht, sie hätten uns schon auf dem Boden“.

Mit der Einwechslung von Stefan Trienen für den enttäuschenden Sebastian Fuchs kam der dienstälteste Spieler der Cowboys aufs Feld. Eine gute Entscheidung. „Er hat die Mannschaft zusammen gehalten“, freute sich Schlesinger. Und fortan übernahmen seine Spieler das Ruder und brachten Rhein-Main eine bittere 1:3 (25:21, 18:25, 23:25, 22:25)-Niederlage bei.

Das Kellerduell ist im Kopf entschieden worden. Doch der fehlt dem Team von Trainer Christian Metzger derzeit. Denn mit Zuspieler Michal Peciakowski, der im November einen Achillessehnenabriss erlitt und für den die Runde gelaufen ist, fällt die Führungsfigur aus. „Er war unsere größte Investition“, betont Metzger, „einen solchen Spieler kann man nicht einfach ersetzen“. Finanziell wie von der Persönlichkeit her nicht.

„Wir haben zu viele introvertierte Spieler im Team“, sagt Thilo von Hagen, „ein Bundesliga-Spitzenteam kann so einen Verlust wie den Michal vielleicht wegstecken. Aber wir nicht.“ Nach der Niederlage gegen Hamburg stelle sich die Frage, ob sich die Suche nach einem neuen Zuspieler noch lohnt. Eine Antwort darauf konnte von Hagen am Samstag nicht geben.

Ratlos wirkten auch die Spieler nach dem Abpfiff. Viele brauchten erst einmal Zeit, um sich zu sammeln. Ralph Nothhaft war einer der ersten, der sich äußerte. „Wir haben unsere Dankebälle und Punktballchancen nicht genutzt. Wir hätten befreiter aufspielen müssen“, sagte der 22 Jahre alte Mittelblocker. Warum er mit seiner Mannschaft den Vorteil des gewonnenen ersten Satzes aus der Hand gab, konnte er aber nicht erklären. „Wir haben einfach nicht mehr die nötige Gegenwehr aufbringen können.“
Quelle: Rüsselsheimer Echo
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