|
21.06.2010
|
|
Was seit März als Absicht bekundet wurde, ist nun amtlich: Die Zweitliga-Volleyballer von Rhein-Main Volley kehren zur TG Rüsselsheim zurück. Künftig werden sie wieder unter dem Dach des mit knapp 3500 Mitgliedern größten Sportvereins der Stadt antreten.
|
Dies wurde im Rahmen einer Delegiertenversammlung der TG am Samstag bekanntgegeben. Neuer Trainer ist Klaus-Jürgen Weber, in Volleyballkreisen unter seinem Spitznamen „Claude“ Weber bekannt. Der frühere Bundesligaspieler von TuS Kriftel, der in den neunziger Jahren vier Jahre bei der TG in der Zweiten Liga gespielt hat und dann bis 2001 als Trainer bei ihr wirkte, übernimmt mit Thilo von Hagen als Co-Trainer die Nachfolge von Luis Ferradas, der aus privaten und gesundheitlichen Gründen vorerst nicht mehr zur Verfügung steht. Weber sieht durch den Übertritt des Rhein-Main-Teams zur Turngemeinde neben einer umfangreicheren Personaldecke und einer guten Basis für die Zweitligamannschaft den größten Vorteil in der Nachwuchsförderung. Die TG leiste eine tolle Jugendarbeit.
Nun böten sich den besten Talenten die Chance auf die Zweite Liga. Jugend- und Regionalligatrainer Raimund Jeuck, der Weber aus dessen früherer Zeit als Spieler und Trainer bei der TG gut kennt, pflichtete bei: „Die jungen Spieler haben nun eine Perspektive auf die Zweite Bundesliga.“ TG-Geschäftsführer Martin Skalsky bekräftigte: „Da ja unsere bisherige erste Mannschaft in die Regionalliga aufgestiegen ist, haben wir jetzt den perfekten Unterbau.“ Auf die „Bündelung der Kräfte“ verwies Volleyball-Abteilungsleiter Hartmut Heiringhoff, der in Rüsselsheim einen starken Standort im Rhein-Main-Volleyball gegeben sieht. „Wir wollten uns keine Konkurrenz machen“, freut er sich über die Einigung beider Vereine. Der bisherige Teammanager Jan Wüntscher sieht nun auch bessere Chancen im Sponsoring: „Die Firmen und Unternehmen können mehr mit dem Namen der TG anfangen und sich stärker mit ihr identifizieren.“ TG-Vorsitzender Dietmar Scheer, der „sehr stolz ist, wieder eine Zweite Bundesligamannschaft zu haben“, ist zudem überzeugt davon, dass mehr Publikum in die Köbel-Halle kommt. Zuletzt betrug der Zuschauerschnitt von Rhein-Main Volley kaum mehr als 200. Ziel ist es nun, so erklärte Claude Weber, „Strukturen aufzubauen“, die mittelfristig an den Aufstieg in die Erste Bundesliga denken lassen. Nach dem jeweils dritten Tabellenplatz in den vergangenen beiden Spielzeiten von Rhein-Main Volley strebt der 43-jährige Bad Homburger in der kommenden Saison „Platz eins bis vier“ an. Dabei hofft Weber, die Mehrzahl der bisherigen Spieler halten und den ein oder anderen Neuzugang gewinnen zu können. Thilo von Hagen meinte zuversichtlich, ohne konkrete Namen nennen zu wollen: „Es sieht gut aus mit neuen Leuten.“ Fest steht, dass Außenangreifer Jan Dörmer und Zuspieler Johannes Gruppe nicht mehr im Kader sind. Beide wollen sich auf ihre zeitintensive Berufsausbildung konzentrieren. Kapitän Tim Wacker hat bereits seine Zusage gegeben. Den anderen Spielern gab Weber zehn Tage Bedenkzeit für eine Entscheidung. Weber und von Hagen werden sich in der Leitung der drei- bis viermaligen Trainingseinheiten pro Woche abwechseln. Bei den Spielen ist Weber für das Coaching verantwortlich. Von Hagen, der in den vergangenen Jahren schon öfter die Rolle als Spielertrainer übernommen hat, steht höchstens bei Heimpartien zur Verfügung. Ob er weiter als Zuspieler auf dem Feld zu erleben ist, lässt der 38-jährige Vorsitzende von Rhein-Main Volley offen. Luis Ferradas meinte zu seinem Ausscheiden: „Ich habe momentan privat viel zu tun.“ Zudem könne er aus gesundheitlichen Gründen nicht zu hundert Prozent eine Trainertätigkeit ausüben. „Ich brauche ein paar Monate Pause. Aber ich versuche, dem Verein weiterhin zu helfen.“ Da mit dem VC Gotha eine sehr starke Mannschaft in die Erste Liga aufgestiegen ist, aber kein Absteiger aus selbiger in die Zweite Bundesliga Süd herunterkam, sieht Ferradas sehr gute Chancen auf eine Platzierung weit vorne. Thilo von Hagen bescheinigte dem scheidenden Trainer gute Arbeit: „Wir waren sehr zufrieden. Er hat der Mannschaft eine Philosophie gegeben.“ Der Übernahme des Zweitligateams von Rhein-Main Volley hat der Gesamtvorstand der TG Rüsselsheim ohne Gegenstimme zugestimmt. Während sich Rhein-Main Volley als Verein drei Jahre nach seiner Gründung auflöst - zumal er ausschließlich aus der Zweitligamannschaft bestanden hat - , wird nun ein Trägerverein ins Leben gerufen, der für Kosten und Sponsoring der Finanzen des Zweitligateams zuständig ist. „Die TG wird finanziell keine eigenen Mittel zuschießen“, betonte Geschäftsführer Martin Skalsky, und „den anderen Abteilungen entstehen keine finanziellen Nachteile“, war auf einer Powerpoint-Präsentation an der Leinwand zu lesen. Durch die Idee des Trägervereins, „der außerhalb der TG steht“ und selbständig wirkt, wie Abteilungsleiter Hartmut Heiringhoff betonte, waren die Vorstandsmitglieder nach anfänglicher Skepsis von einer Reintegration der Zweitligamannschaft zu überzeugen. Friedel Richter, Finanzchef der TG: „Für uns war wichtig, dass der Verein dadurch keine wirtschaftlichen Risiken eingeht. Und die sehe ich nicht.“ Vorsitzender des Trägervereins soll Trainer Claude Weber werden. Ihm zur Seite als Stellvertreter steht der aus Frankfurt stammende Thomas Sittler, der Management-Erfahrung in Wuppertal beim dortigen Volleyball-Bundesligisten sammelte. Neben Thilo von Hagen wirken Hartmut Heiringhoff und dessen Stellvertreter als Abteilungsleiter, Jürgen Kropp, im Trägerverein mit. Claude Weber betont, der selbständige Verein sei aus wirtschaftlichen Gründen wichtig, doch verstehe sich die Zweitligamannschaft eindeutig als Bestandteil der TG. Es solle auf keinen Fall der Eindruck entstehen, sie führe eine Art Eigenleben: „Sie soll natürlich voll integriert sein in die TG.“ Im Frühjahr 2007 schlossen sich die Zweitliga-Volleyballer der TG Rüsselsheim und von Eintracht Wiesbaden zusammen und gründeten - angesichts des Erstliga-Aufstiegs der Eintracht - mit dem Ziel des Bundesliga-Klassenerhaltes einen eigenen Verein: Rhein-Main Volley. Nun steht der Klub vor dem Aus. Die Zweitligaspieler wechseln zurück zur TG Rüsselsheim. War es die falsche Entscheidung, damals einen eigenen Verein ins Leben zu rufen? „Nein, das war damals der richtige Schritt“, widerspricht Thilo von Hagen. „Man hatte ja zwei Zweitligateams und wollte die Kräfte bündeln. Nur so sahen wir eine Chance, sich in der Ersten Liga zu halten. Aber dann“, so bedauert der Vorsitzende von RMV, „ist uns schon nach zwei, drei Monaten der Part von Wiesbaden weggebrochen, weil die verantwortliche Person schwer krank wurde. Damit war der strukturelle Teil weg. Wir haben es nie geschafft, eine Jugend, oder eine zweite und dritte Mannschaft aufzubauen. Von daher war das Ganze zum Scheitern verurteilt.“ Den Wegfall ihres Funktionsträgers konnte die Eintracht nicht kompensieren. Hartmut Heiringhoff räumt ein: „Es war uns nicht klar, dass das Projekt seitens der Abteilung der Eintracht nicht so mitgetragen wurde wie bei uns.“ Jan Wüntscher, Teammanager von Rhein-Main Volley, sieht das ebenso: „Die Bundesligamannschaft war bei der Eintracht nicht so verankert wie bei uns.“ Als gleich im ersten Jahr der Bundesliga-Klassenerhalt verfehlt wurde, gab es zudem weniger Einnahmen und Sponsorengelder. Dann kam der teilweise Rückzug des Hauptsponsors Opel. „Dadurch ist das mit gut 60 000 Euro zuletzt schon vergleichsweise bescheidene Budget noch einmal deutlich kleiner geworden“, heißt es im Rückblick. In der Rückkehr zur traditionsreichen TG Rüsselsheim sehen alle Beteiligten nur Vorteile. „Mit dem Namen TG Rüsselsheim, die eine lange und erfolgreiche Geschichte im Volleyballsport vorweisen kann“, so weiß von Hagen als Pressesprecher des Deutschen Volleyball-Verbandes, „kann so gut wie jeder Volleyballfan in Deutschland etwas anfangen“.
|
|
Quelle: Rüsselsheimer Echo
|