|
24.04.2009
|
Nach dem Bundesligaabstieg und dem Verlust fast aller Leistungsträger gab es nicht wenige, die Rhein-Main Volley vor dieser Zweitligasaison wenig zugetraut hatten. Am Ende wurde die Mannschaft nach 18 Siegen und acht Niederlagen Dritter. Die Zügel in der Hand hielt Thilo von Hagen (37), in Personalunion Trainer und Vereinsvorsitzender. Rhein-Main Volley hat trotz kleinen Kaders und schmalen Budgets die Saison in der Zweiten Bundesliga Süd auf Rang drei beendet. Wer ist mehr zufrieden, der Trainer oder der Vereinsvorsitzende von Hagen? von Hagen: Zunächst der Trainer, weil der das in dieser Form nicht erwartet hat. Dann natürlich auch der Vorsitzende. weil die Außendarstellung der Mannschaft sehr positiv war Die Mannschaft hat Meister und Aufsteiger TV Bühl zweimal geschlagen. Trauern Sie dem verpassten Wiederaufstieg nach? von Hagen: Nein, auf keinen Fall. Es war klar, dass wir an guten Tagen jede Mannschaft der Liga in Bedrängnis bringen beziehungsweise schlagen können. Leider war mir aber auch bewusst, dass mit diesem kleinen Kader eine solche Konstanz, die zum Aufstieg notwendig ist, nicht möglich war. Kann im Verein überhaupt ernsthaft über eine Rückkehr in die höchste Spielklasse nachgedacht werden? von Hagen: Warum nicht? Wenn die finanziellen und sportlichen Bedingungen stimmen und auch das organisatorische Umfeld wächst, stehen die Chancen dafür sehr gut. Das Ziel muss sein, in absehbarer Zeit wieder Erste Bundesliga zu spielen. Leistung und Auftreten der Mannschaft in dieser Saison haben auf jeden Fall eine gute Grundlage geschaffen und es verdient, dass dieses Vorhaben weiter unterstützt wird. Die Erstligasaison 2007/08 wurde mit einem Minus von rund 20.000 Euro abgeschlossen. Wie sieht es nach dem Ausstieg von Sponsor Opel aktuell aus? von Hagen: Die Entwicklung bei GM hat uns schon vorher betroffen, als Chevrolet nach nur einer Saison die Zusammenarbeit nicht fortsetzen konnte. Dadurch war unser Zweitligabudget im Vergleich zur Konkurrenz höchstens durchschnittlich. Dass wir dann noch den kurzfristigen Ausfall der Opel-Unterstützung innerhalb einer bereits laufenden Saison halbwegs kompensieren und die Runde erfolgreich zu Ende spielen konnten, ist allein der Tatsache zu verdanken, dass intern alle an einem Strang gezogen haben. Umso dankbarer sind wir den Partnern, die uns weiterhin unterstützt haben, an vorderster Stelle unserem Trikotsponsor Entega. Im Volleyball, als einer der mitgliederstärksten Sportarten Deutschlands, geht es im Sponsoring zwar nur um einen Bruchteil der Summen, die im Fußball oder Handball aufgerufen werden - dennoch benötigt eine erfolgreiche Arbeit eben auch eine finanzielle Basis. Seit gut einem Jahr geistert der Name Luis Ferradas durch den Raum. Wird er in der nächsten Saison das Traineramt übernehmen? von Hagen: Luis hat uns bereits in der laufenden Saison als ehrenamtlicher Berater sehr geholfen. Bezüglich des Cheftrainerpostens ist der Wille auf beiden Seiten zu einhundert Prozent vorhanden. Genauso sind wir uns aber einig, dass die Zusammenarbeit mit einem der besten Trainer Deutschlands nur dann Sinn ergibt, wenn neben der zweifellos vorhandenen Qualität der Mannschaft auch die anderen notwendigen Säulen stehen, und das sind der finanzielle und der organisatorische Bereich. Ferradas ist Profi, mutmaßlich also keine preiswerte Lösung. Wie passt das ins Bild einer latent klammen Vereinskasse? von Hagen: Zum Glück ist Luis Ferradas auch Volleyballer mit Leib und Seele und durch den bisherigen Kontakt mit der Mannschaft und dem Verein durchaus motiviert, uns in dieser Hinsicht entgegenzukommen, was uns natürlich ein Stück weit ehrt. Gleichzeitig weiß jeder, dass hinter dem Namen Ferradas auch immer ein klares sportliches Konzept steht. Davon erhoffen wir uns mittelfristig auch eine Signalwirkung auf alle, um deren Unterstützung wir bei der Verwirklichung eines solchen Projekts werben wollen. Was kann Ferradas sportlich und auch sonst vor Ort bewegen? von Hagen: Er ist ein absoluter Profi, das haben die ersten Gespräche, aber auch seine Hilfestellungen in der Trainingsarbeit, wenn er einmal dabei war, gezeigt. Er genießt absolute Akzeptanz bei den Spielern, das spüren wir auch bei allen Vorgesprächen für die kommende Saison. Wie im sportlichen Bereich, weiß Luis auch außerhalb des Feldes gut Bescheid; er ist eloquent, höflich und kommt einfach gut bei den Leuten an. Da erhoffen wir uns sicherlich auch einen Schub in der Förderung für unseren Verein. Bis zum 1. August müssen der DVL sechs Spielerverträge für die neue Saison vorliegen. Wie viele Unterschriften gibt es bis jetzt? von Hagen: So früh liegen noch gar keine Unterschriften vor. Die ersten Gespräche sind aber sehr positiv verlaufen und die mündlichen Zusagen lassen auf eine schlagkräftige Mannschaft hoffen. Sie haben frühzeitig angekündigt, die Doppelfunktion Trainer/Vorsitzender nicht länger ausüben zu wollen. Was tun Sie, wenn der Ferradas-Deal nicht zustande kommt und auch kein anderer Trainer gefunden wird? von Hagen: Da dies nicht eintritt, bin ich ganz entspannt. Und wenn doch, dann werde ich mir auf der Tribüne mit meiner Familie einige Spiele an- gucken und mich freuen, dass ich mich an der Seitenlinie nicht mehr so aufregen muss.
|
|
Quelle: Main-Spitze
|