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03.01.2008
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Heute ist offizieller Jahres-Trainingsauftakt bei Rhein-Main Volley. Wie die Mannschaft Tabellenletzter der Bundesliga werden konnte und wie es mit dem im März gegründeten Verein weitergehen soll, dazu bezogen der kommissarische Vorsitzende Thilo von Hagen (36) und Manager Jan Wüntscher (33) per Interview Stellung.
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Das im Frühjahr mit vielen Vorschusslorbeeren bedachte Projekt Rhein-Main Volley droht Schiffbruch zu erleiden. Konnten Sie Weihnachten in diesem Jahr so genießen wie immer?
Wüntscher: In der momentanen Situation, in der wir trotz allen geleisteten Einsatzes einfach nicht zufrieden sein können, lässt einen das Thema nie ganz los. Die Planungen müssen ja weitergehen und dulden keinen Aufschub. Da fällt es auch über die Feiertage schwer, abzuschalten und den nötigen Abstand zu gewinnen.
von Hagen: Was heißt Schiffbruch? Wenn damit ein möglicher Abstieg gemeint ist, haben wir ganz sicher Schlagseite. Sowohl im sportlichen als auch organisatorischen Bereich war einiges anders gedacht, aber so ist nun einmal der Sport: unberechenbar. Und das macht ihn auch so attraktiv und spannend. Aber natürlich wäre mir mit fünf gewonnenen Spielen sowie einem reibungsloseren Ablauf wohler zumute.
Hätten Sie es für möglich gehalten, dass die Mannschaft mit nur einem Sieg und als Tabellenletzter ins neue Jahr gehen würde?
Wüntscher: Nach den großen Problemen vor dem Saisonstart war so gut wie alles denkbar - etwa auch, dass sich die Mannschaft, die ich nach wie vor für stark genug halte, mit einem frühen Erfolg das Selbstvertrauen für weitere Siege holt. Stattdessen ist das gegenteilige Szenario Wirklichkeit geworden. Nach den Erfahrungen, die wir selbst und andere Vereine in der Vergangenheit gemacht haben, musste man angesichts der Umstände sicherlich auch diese Möglichkeit im Hinterkopf haben.
In der Verletzungsmisere ist zweifellos die Hauptursache für die bislang ungenügende Bilanz der Mannschaft zu suchen. Welche Gründe sehen Sie darüber hinaus?
Wüntscher: Es ist uns nicht gelungen, die notwendige organisatorische Basis zu schaffen, um das Optimum aus dem vorhandenen sportlichen Potenzial herauszuholen. Die täglichen Reibungsverluste durch die fehlende Manpower sind einfach zu hoch. Wenn man den großen Sprung in die erste Liga schafft, ist jedes Mal der irrsinnige Druck da, eine konkurrenzfähige Mannschaft zusammenzubekommen. Das kostet wiederum viel Geld, weshalb sich fast alles nur darum dreht, einen angemessenen Etat zu stemmen. Das haben wir geschafft, ein lange Zeit kaum für möglich gehaltener Erfolg. In Zukunft sollte aber zuerst im organisatorischen Bereich etwas aufgebaut werden, damit sich die eingesetzten Mittel auch auszahlen - selbst wenn wir dafür bei den Spielern zurückfahren müssen. Trotz großer Zuversicht in Sachen Sponsorengelder war Wunschtrainer Edwin Benne nicht zu bezahlen, so dass die bereits publizierte Verpflichtung scheiterte. Hätte das daraus entstandene Vakuum bis zur Entscheidung von Sportdirektor Christian Metzger, auf den Trainerstuhl zurückzukehren, inmitten der Vorbereitungszeit nicht durch eine interne Lösung geschlossen werden können?
von Hagen: Hier ging es ja letztlich nur um wenige, wenn auch entscheidende Tage oder Wochen. Es wäre wohl schwierig geworden, jemanden zu finden, der sich nur für diese kurze Zeit zur Verfügung stellt und dann wieder abtritt. Gefehlt hat schließlich vor allem jemand für die längerfristige sportliche Planung. Wir haben damals die verschiedensten Alternativen diskutiert, Gespräche geführt und uns unter vielen nicht idealen Lösungen für die aus unserer Sicht beste entschieden. Dass uns das alles trotzdem geschadet hat, ist klar.
Nach dem Rücktritt des Vorsitzenden Günther Droege stemmen Sie beide zusammen mit Jürgen Meister die Arbeit bei Rhein-Main Volley auf der Funktionärsebene quasi alleine. Bräuchte ein Verein mit professionellen Ansprüchen nicht deutlich mehr Köpfe?
Wüntscher: Auch das ist offensichtlich. Es wäre jedoch ungerecht, die vielen anderen Helfer, die sich an unterschiedlichsten Stellen einbringen, zu vergessen. Aber natürlich braucht es an vorderster Front solche, die die Kompetenz und den Mut mitbringen, Entscheidungen zu treffen. Hier sind wir für Erfolg versprechendere Konstellationen offen. Man sollte als Außenstehender aber die Dimensionen eines solchen Projekts und die damit verbundene Verantwortung nicht auf die leichte Schulter nehmen. Auch wenn wir alle ehrenamtlich tätig sind, haben wir uns dieser immer gestellt.
Trifft es zu, dass das Amtsgericht Rüsselsheim den Verein aufgefordert hat, den Vorstand zu komplettieren und was passiert, wenn dies nicht fristgemäß gelingt?
von Hagen: Dazu bedarf es keiner Aufforderung, das ist in jeder Vereinssatzung so festgeschrieben und muss spätestens bei der nächsten Jahreshauptversammlung so erfolgen. Andernfalls würde das Amtsgericht einen vom Verein zu bezahlenden Verwalter einsetzen. Wichtiger ist aber, dass die anstehenden Aufgaben erledigt werden und der Klub angemessen nach außen vertreten wird.
Neben der Suche nach einem Vorsitzenden fällt auf, dass Rhein-Main Volley deutlich weniger Zuschauer in die Köbel-Halle lockt als TG Rüsselsheim vor zwei Jahren. Wie erklären Sie sich die geringere Akzeptanz?
Wüntscher: Wir haben nach dem ersten Aufstieg vor zwei Jahren gezeigt, dass man mit einem solchen Projekt die Menschen erreichen kann. In diesem Jahr wäre eigentlich der doppelte Einsatz nötig gewesen, um Rhein-Main Volley bekannt zu machen. Tatsächlich konnten wir aber höchstens 20 Prozent des damaligen Aufwands betreiben. Mit der Loslösung von TG Rüsselsheim und Eintracht Wiesbaden ist zwangsläufig ein Stück Identität verloren gegangen Außerdem hat das Publikum inzwischen berechtigterweise auch sportlich höhere Erwartungen, die wir bislang nicht erfüllen können. Die Verdopplung der Besucherzahl zuletzt beim Hamburg-Spiel beweist aber, dass das Potenzial nach wie vor da ist, wenn wir offensiv auf die Leute zugehen.
War es unter Berücksichtigung aller Faktoren und des Ist-Zustandes richtig, Rhein-Main Volley aus der Taufe gehoben zu haben oder muss man nüchtern betrachtet einräumen, dass das Projekt ein Fehlschlag war?
Wüntscher: Dass man ein so ambitioniertes Projekt besser mit einer längeren Vorbereitungszeit angehen sollte, hat jeder von vornherein gewusst. Diese Chance bekommt man aber im deutschen Herren-Volleyball nun einmal nicht. Dennoch haben wir in diesem Jahr so unglaublich viel bewegt und so viel neue Unterstützung erfahren, dass ich diesen Schritt auf keinen Fall bedaure, zumal ich das eigentliche Konzept weiterhin für richtig halte.
Zwölf Spiele bleiben im neuen Jahr noch, um aus der Abstiegszone herauszukommen. Trauen Sie der Mannschaft zu, die Kurve auch ohne Verstärkungen zu bekommen? von Hagen: Nüchtern betrachtet muss man feststellen, dass es wohl kein Beispiel dafür gibt, dass es ein Verein aus einer solchen Situation heraus noch geschafft hat. Aber wenn man sieht, wie wir in die Saison hineingegangen sind, war unsere Ausgangslage ja auch keine normale. Würden wir uns jetzt schon aufgeben, wäre das nicht sehr sportlich. Angesichts der dauerhaften Ausfälle, zu denen neben Michal Peciakowski jetzt auch noch Tim Wacker gekommen ist, wird es aber sehr schwer. Das Ziel für die Rückrunde muss sein, Spiele zu gewinnen, vom letzten Tabellenplatz wegzukommen und dann zu schauen, was nach oben noch möglich ist.
Andere Sportarten neigen sehr schnell dazu, es bei einer anhaltenden sportlichen Talfahrt mit einem neuen Trainer zu versuchen. Wurde diese Möglichkeit im Vorstand schon einmal erwogen?
von Hagen: Es wäre unprofessionell, bei ausbleibendem Erfolg nicht alles und jeden in Frage zu stellen. Das gilt übrigens auch für den organisatorischen Bereich, für den das genauso offen angesprochen werden sollte. Dass die Lösung mit Christian Metzger, der mit den Fahrten von seinem Wohnort Sindelfingen zu jedem Training und Spiel einen unglaublichen Aufwand auf sich nimmt, nicht alles kompensieren kann, was bei uns noch fehlt, war allen von vornherein klar. Und daran hat sich auch nichts geändert
Was wird aus Rhein-Main Volley in der Saison 2008/2009?
von Hagen: Die finanzielle Basis um weiterzumachen sollte aufgrund der längerfristig laufenden Verträge auch bei einem Abstieg vorhanden sein. Das allein reicht aber nicht. Damit es langfristig Sinn macht, am Ziel Spitzenvolleyball im Rhein-Main-Gebiet zu verbreitern, müssen wir die Strukturen verbessern, was im zurückliegenden Jahr einfach auf der Strecke geblieben ist. Die Erfahrung zeigt, dass man als Volleyball-Bundesligist nur mit sehr guten Argumenten und einer professionellen Umsetzung Sponsoren und Publikum begeistern kann. Da kann man ruhig auch mal nach Wiesbaden zu den VCW-Damen schauen. Dort wird immer alles an einer Person festgemacht, aber übersehen, dass auch alle anderen mitziehen und die gleiche Linie verfolgen. Erfolg hat eben seinen Preis.
Welche Spieler sollen beziehungsweise können gehalten werden?
Wüntscher: Bei den Spielern hängt das sicherlich in erster Linie davon ab, ob wir den Klassenerhalt doch noch schaffen. Grundsätzlich würden wir mit jedem gern weiter arbeiten, da sich alle ganz individuell als wertvoller Teil des Unternehmens Rhein-Main Volley eingebracht haben. Bei den ausländischen Spielern wird das im Abstiegsfall aber wohl nur schwer zu realisieren sein. Mit Johann Löwen hat einer der bislang herausragenden Spieler schon einen Vertrag über die Saison hinaus. Neben den Teammitgliedern, die schon länger in der Region beheimatet sind und auch weiterhin das Fundament bilden sollten, wäre es sicher ein Erfolg, wenn wir - abhängig vom Verlauf seiner Verletzung - auch Michal Peciakowski weiter an uns binden könnten.
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Quelle: Main-Spitze
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