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Wilmas wilde Worte

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"Als Team einfach zu unerfahren"

19.04.2008
Fünf Wochen ist es inzwischen her, dass Rhein-Main Volley beim 1:3 gegen Bayer Wuppertal seine Abschiedsvorstellung in der Bundesliga gegeben hat. Neben dem einen oder anderen Spieler war dies auch für Trainer Christian Metzger der vorerst letzte Auftritt in der Walter-Köbel-Halle.
Der vorerst letzte erstklassige Auftritt von Rhein-Main Volley liegt fünf Wochen zurück. Wie hat der Trainer die volleyballlose Zeit verbracht?

Metzger: Das war nicht schwer. Ich kann mich momentan nicht über Arbeitsmangel beklagen. Das Referendariat erfordert viel Zeit und Energie und fordert mich dementsprechend.

Tut es noch weh, dass der angestrebte Klassenerhalt verpasst wurde?

Metzger: Es nagt schon. Wir haben alle einen sehr großen Aufwand betrieben, um das Ziel zu erreichen. Allerdings habe ich in dieser Saison auch viele Erfahrungen gemacht, die ich nicht missen möchte.

Das Verletzungspech hat die Mannschaft zweifelsfrei hart getroffen. Sind Sie sicher, dass "RMV" ohne diese Unbilden nicht abgestiegen wäre?

Metzger: Die Verletzungen waren sicher ein großer Faktor. Nicht nur auf den Spielbetrieb, auch auf das Training hat sich das negativ ausgewirkt. Trotzdem muss ich sagen, dass die Moral der Mannschaft stark geblieben ist. Dies ist nicht selbstverständlich. Mit der Verletzung von Michal Peciakowski haben wir nicht nur den ersten Zuspieler verloren, sondern auch das Herz der Mannschaft. Aber die Art und Weise, wie er sich weiterhin trotz der Verletzung eingebracht hat, ist vorbildlich. Ich würde jederzeit wieder mit ihm arbeiten wollen. Er ist ein echter Sportsmann und ich wünsche ihm, dass er bald wieder auf die Beine kommt.

Trotz der vielen Blessuren und der Probleme in der Vorbereitung hätte die Mannschaft die Kurve kriegen können. Warum ist das nicht gelungen?

Metzger: Wir waren nicht in der Lage die entscheidenden Spiele der Hinrunde (Bad Dürrenberg, Eltmann und Königs-Wusterhausen und Hamburg) siegreich zu gestalten. Alle diese Spiele wären zu gewinnen gewesen. Jedoch hatten sie eine unterschiedliche Gewichtung, was die Auswirkung auf den Saisonverlauf angeht. Die ersten beiden Spiele gegen Dürrenberg und Eltmann waren wir nicht fit und eingespielt genug, um gleich auf einem hohen Niveau zu spielen. Da waren uns die Teams um drei bis vier Wochen voraus.

Unsere Saisonvorbereitung war, was den Zeitpunkt der endgültigen Kaderbenennung und die Vorbereitungszeit angeht, sicherlich nicht erstligatauglich. Die Spiele gegen Königs Wusterhausen und Hamburg hatten somit in der Hinrunde schon Endspielcharakter. Dort waren wir nicht in der Lage, über mehrere Sätze auf hohem Niveau zu spielen. Wir waren als Team einfach zu unerfahren, um mit einer solchen Situation umzugehen.

Sie waren selbst viele Jahre Profi und Nationalspieler. Hätte der Kader nicht größer oder anders zusammengestellt sein und nach den Verletzungen in der Weihnachtspause nicht unbedingt ergänzt werden müssen?

Metzger: Wir hatten schon früh angemerkt, dass das Risiko, mit nur zwei Mittelblockern in die Saison zu gehen, sehr hoch ist. Es geht hier nicht nur um mögliche Verletzungen, sondern auch um eine zu hohe Trainingsbelastung auf dieser Position. Man kann vor Andreas Kolle und Ralph Noth- haft nur den Hut ziehen, dass sie das so durchgezogen haben. Allerdings konnten wir bei beiden große Verschleißerscheinungen beobachten, die sich dann, vor allem bei Ralph, durch die ganze Saison gezogen haben. Drei Saisonspiele mussten wir aufgrund des Ausfalls von Ralph mit nur einem gelernten Mittelblocker spielen. Aber auch Andreas war nicht permanent fit.

Die Risiken waren also allen klar. Leider war der Verein aus finanziellen Gründen nicht in der Lage, auf dieser Position nachzubessern. Vor der Saison waren wir zwar an Ralph Bergmann dran, konnten das jedoch nicht realisieren. Spätere Versuche, einen Spieler zu verpflichten, konnten ebenfalls nicht verwirklicht werden. Auf der Zuspielposition war zu dieser Zeit in der Saison keine adäquate finanzierbare Alternative auf dem Markt. Wir konnten froh sein, dass sich Sören Schneider so tapfer geschlagen hat. Dass ein so junger Kerl sich durchbeißt, nachdem er ins kalte Wasser geschmissen wurde, ist nicht selbstverständlich.

Sie sind zunächst von Mendig, später von Sindelfingen zu den Übungseinheiten angereist. Welchen Einfluss hatten diese Bedingungen auf die sportliche Entwicklung?

Metzger: Es steht außer Frage, dass das keine optimale Lösung war. Ich hätte mir gewünscht, mehr vor Ort zu sein und den Jungs auch in anderer Form mehr Unterstützung geben zu können. Die Entscheidung, die Aufgabe zu übernehmen, musste sehr schnell fallen, da kein anderer Trainer in Aussicht war. Wie gesagt - die Vorbereitung war nicht erstligatauglich. Wäre ich vor Ort gewesen, hätten sich sicherlich auch Prozesse im Umfeld anders steuern lassen.

Gibt es Spieler, die Sie - im positiven wie negativen Sinne - überrascht haben?

Metzger: Ich muss sagen, dass ich vor allem was den Charakter der Jungs angeht, noch nie mit so einer Truppe gearbeitet habe. Das waren alles Spieler, die sich mit der Sache identifiziert haben und alles geben wollten. Sportlich waren für mich, wenn man die Saison im Ganzen betrachtet, Andreas Kolle und Johann Löwen die konstantesten Spieler. Andreas Kolle war sicher einer der fünf stärksten Blockspieler in der Liga. Sehr gut gefallen hat mir auch die Entwicklung von Sören Schneider. Er kam aus der zweiten Liga und hat sehr, sehr ordentlich gespielt, als er über Nacht Stammspieler wurde. Ich hoffe, dass er seinen Weg weiter geht.

Man darf aber auch mit den anderen Spielern nicht unzufrieden sein. Fast alle waren das erste Mal in der Situation, in der ersten Liga zu spielen. Das ist ein anderes Niveau als die zweiten Liga Süd. und selbst für Jason Octave und Mark Posthuma wehte ein schärferer Wind als in ihren Heimatligen. Gerade Mark wird seinen Weg machen, da bin ich mir ganz sicher. Er hat alle Möglichkeiten dazu.

Mit den angesprochenen Octave und Posthuma sind zwei der eifrigsten Punktesammler erwartungsgemäß von Bord gegangen. Wer wird aus dem alten Kader in der zweiten Liga für Rhein-Main Volley ans Netz gehen?

Metzger: Zur Zusammensetzung des neuen Kaders kann ich nichts sagen. Ich hoffe, dass der Verein in der Lage sein wird, Spieler wie Andreas Kolle, Tim Wacker, Christian Günther und Ralph Nothhaft zu halten. Auch Tommy Weigel hat sich sehr gut eingebracht und könnte für eine neue Saison sehr hilfreich sein. Man sollte aber auch versuchen, mit Spielern wie Anton Borger und Christian Hesse aus Kriftel zu sprechen. Sehr wichtig wird allerdings die Zuspielposition sein. Ich glaube nicht, dass Thilo von Hagen ein drittes Comeback startet.

Trauen Sie den Verantwortlichen zu, eine Mannschaft zusammenstellen zu können, die um den sofortigen Wiederaufstieg mitspielt?

Metzger: Ich habe in Thilo von Hagen volles Vertrauen, dass er weiß, was notwendig sein wird, um eine schlagkräftige Truppe aufzubauen.

Sie hatten Ende Januar erklärt, das Traineramt wegen des anlaufenden Referendariats abzugeben. War das der einzige Grund?

Metzger: Nein, aber der entscheidende Grund.

Wie fällt Ihr persönliches Fazit der zwei Jahre in Rüsselsheim aus?

Metzger: Ich habe in dieser Zeit viele neue Erfahrungen gemacht, die ich nicht missen möchte. Mit Manager Jan Wüntscher habe ich einen unheimlich engagierten Akteur erlebt, der aus dem Nichts sehr viel in Rüsselsheim auf die Beine gestellt hat. Ich denke, dass gerade seine Person oftmals im falschen Licht erscheint. Es ist ihm zu verdanken, dass Volleyball in Rüsselsheim in einem professionelleren Umfeld als in den Jahren zuvor entstehen konnte. Leider war er oftmals ein Einzelkämpfer. Aber er hat für die Sache immer alles gegeben. Großen Respekt habe ich auch vor Thilo von Hagen, der ebenfalls sehr oft im Regen stehen gelassen wurde, das Ding aber durchgezogen hat. Ich wünsche mir für beide mehr Unterstützung in der Zukunft.

Kann es sein, dass Sie in der Saison 2008/2009 - in welcher Funktion auch immer - als Gegner in die Köbel-Halle kommen?

Metzger: In der Saison 2008/2009 schließe ich das aus. Möglicherweise sieht das ein Jahr später anders aus - aber dann in einer anderen Liga.
Quelle: Main-Spitze
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